Der Grünfink
Chloris chloris — Grünling
🔍 Biologische Eckdaten
- Größe: ca. 14–16 cm
- Gewicht: 25–35 Gramm
- Gelegegröße: 4–6 Eier
- Brutdauer: 13–14 Tage
- Nestlingszeit: 14–16 Tage
- Jahresbruten: 2 (April bis Juli)
⚥ Geschlechtsunterscheidung
Grünfinken besitzen einen kräftigen, kegelförmigen Schnabel und sind im Vergleich zu Zeisigen recht stämmig. Die Geschlechter lassen sich gut an der Intensität des Gefieders bestimmen:
- Das farbenprächtige Männchen: Zeigt ein dominantes Gelbgrün auf der Brust und der Körperunterseite. Der Kopf ist olivgrün, die Wangen grau schattiert. Ein unverkennbares Merkmal ist das leuchtend gelbe Flügelband sowie die leuchtend gelben Außenfahnen der Schwanzfedern.
- Das schlichtere Weibchen: Ist insgesamt deutlich matter, blasser und eher bräunlich-grau gefärbt. Die grünen und gelben Farbanteile an Brust und Flügeln sind stark reduziert und wirken verwaschen. Die Unterseite zeigt zudem eine feine, dunkle Längsstreifung.
❤️ Balz & Paarungsverhalten
Die Balz beginnt oft schon im März mit dem typischen, etwas heiseren „Zwirren“ und dem anschließenden, langgezogenen „Schrreiar“-Ruf des Männchens. Besonders auffällig ist der **fledermausartige Balzflug**: Das Männchen fliegt mit stark verlangsamten, weiten Flügelschlägen in Kreisen über seinem Revier, um seine gelben Flügelmarkierungen optimal zu präsentieren.
Am Boden oder auf dem Ast trippelt das Männchen mit hängenden Flügeln und aufgefächertem Schwanz auf das Weibchen zu. Nimmt das Weibchen die Werbung an, fordert es das Männchen durch geduckte Körperhaltung und leises Betteln zur Paarung auf.
🪺 Brutbiologie & Brutdauer
Das Nest des Grünfinken ist im Vergleich zu anderen Finken recht groß, tief napfförmig und wird gern in dichten Hecken, Dornensträuchern, Efeu oder Nadelbäumen errichtet. Es besteht außen aus gröberen Halmen, kleinen Zweigen und Moos. Die Nestmulde wird sorgfältig mit feinen Wurzeln, Tierhaaren und gelegentlich Federn ausgepolstert.
🐣 Aufzucht der Jungen
Nach dem Schlupf sind die Jungen mit langen, weißen Daunen bedeckt. In den ersten Lebenstagen füttert das Männchen indirekt über das Weibchen. Erst wenn die Jungen älter sind und nicht mehr ständig gehudert werden müssen, fliegt auch das Weibchen aktiv zur Nahrungssuche aus.
Die Nestlingszeit beträgt ca. 14 bis 16 Tage. Nach dem Ausfliegen sind die Jungvögel noch recht pummelig und verharren als „Ästlinge“ gut getarnt im dichten Laub. Sie werden von den Eltern (oftmals primär vom Männchen, während das Weibchen bereits die Zweitbrut vorbereitet) noch etwa 14 Tage lang intensiv geführt und gefüttert, bis sie Sämereien selbstständig entspelsen können.
🏡 Haltung & Aufzuchtsfutter (Züchterwissen)
Grünfinken sind kräftige, vitale und sehr anpassungsfähige Volierenvögel. Sie benötigen aufgrund ihres starken Schnabels eine etwas gröbere Körnermischung als Zeisige.
Ernährung zur Zucht:
- Grundfutter: Eine ausgewogene Waldvogelfutter-Mischung, angereichert mit Kardisaat, kleineren Sonnenblumenkernen, Hanf, Haferkernen und reichlich Wildkräutersamen (z. B. Hirtentäschel, Löwenzahn, Ampfer).
- Aufzuchtsnahrung: Zur Fütterung der Nestlinge ist ein hochwertiges, leicht feuchtes Eifutter unerlässlich. Grünfinken verfüttern in der Natur neben halbreifen Sämereien auch gern kleine Insekten und Raupen. Züchter reichen daher in den ersten Tagen nach dem Schlupf zusätzliche Proteine über gefrostete Pinkies oder Buffalowürmer. Frische Wildkräuter wie Vogelmiere sollten täglich zur Verfügung stehen.
🧬 Beliebte Farbmutationen in der Zucht
Der Grünfink gehört zu den Pionieren der Farbkanarienzucht und europäischen Carduelidenzucht. Auf Ausstellungen sind die verschiedenen Mutationen ein absolutes Highlight. Zu den bekanntesten und am weitesten verbreiteten Linien gehören:
Reduziert das braune Eumelanin. Das Gefieder wirkt dadurch kühler, gräulicher und zeigt eine sehr scharfe, kontrastreiche Zeichnung.
Die Kombination aus Braun und Achat. Das Vögelchen zeigt ein wunderschönes, zartes, pastell-beiges Gefieder mit sanft aufgehellten gelben Abzeichen.
Unterdrückt das gesamte dunkle Melanin vollständig. Übrig bleibt ein prachtvoller, fast rein gelber Vogel mit roten Augen – ein absoluter Hingucker.
Sorgt für eine feine, gleichmäßige Verdünnung aller dunklen Farbpigmente. Das Grün wirkt dadurch extrem weich und samtig.
🎥 Video-Einblick aus der Zuchtanlage
Erleben Sie den Grünfink in Aktion – beim charakteristischen Fledermausflug, Gesang oder während der Aufzucht der Jungvögel: