TV - Tipp Abenteuer Wissen

      TV - Tipp Abenteuer Wissen

      ZDF
      Mittwoch, 17.09.2008 22:15 - 22:45 Uhr
      Abenteuer Wissen

      Das Rätsel der Zugvögel - Anzeichen für den Klimawandel?
      Jedes Jahr gehen weltweit 50 Milliarden Vögel auf die Reise. Sie pendeln
      zwischen ihren Brutgebieten und den Winterquartieren. Doch ihr Verhalten gerät
      zunehmend durcheinander. Sie verändern Zugrouten und -zeiten oder verbringen
      die zunehmend milden Winter gleich ganz in ihrem Brutgebiet. Doch was ist die
      Ursache für dieses rätselhafte Phänomen? Experten betrachten die Zugvögel als
      Gradmesser des Klimawandels. Die Natur ist im Umbruch. Wie wirken sich der
      veränderte Vogelzug und seine Folgen auf Tier- und Pflanzenwelt auf uns und
      unser Leben aus?

      Das Phänomen
      Der Vogelzug hat sich verändert
      An mehreren Stationen in Deutschland dokumentiert "Abenteuer Wissen", wie
      sich das Zugverhalten der Vögel bereits verändert hat: Kraniche werden zur
      Plage auf landwirtschaftlichen Flächen, weil sie ihren Zug nicht gen Süden
      fortsetzen, sondern im milden Norddeutschland bleiben. Neue Arten wie der
      Bienenfresser kommen aus dem Mittelmeerraum zu uns und schaffen es inzwischen, am
      Rhein zu überwintern.

      Auf der Vogelwarte Helgoland sind Forscher verwundert über das Ausbleiben
      einiger gefiederter Wintergäste aus arktischen Breiten. Europaweit beobachten
      Biologen, dass sich Zugrouten verändern und manche Vogelarten die mühselige
      Reise gleich ganz ausfallen lassen.

      Während sich Bauern und Fischer bereits Sorgen um ihre Erträge machen,
      versuchen Wissenschaftler wie Prof. Ragnar Kinzelbach oder Ommo Hüpopp erst einmal
      herauszufinden, ob sich die Natur nur kurzfristig oder auch nachhaltig
      verändert und welche Konsequenzen das für unser Ökosystem hat. Dabei nutzen sie
      sowohl jahrhundertealte Aufzeichnungen als auch modernste Radartechnik, um
      Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.

      Die Forschung
      Was geht in den Vögeln vor?
      Im weltweit einzigen Windkanal für Zugvögel erforschen Ornithologen, was
      Menschen seit Jahrhunderten fasziniert: die unglaubliche Ausdauer und
      Orientierungsleistung von Vögeln, die über tausend Kilometer zurücklegen, um an ihr
      Ziel zu gelangen. Während man früher nur vom Boden aus staunend den Zug der
      Vögel beobachten und kleinere Arten wie Rotkehlchen überhaupt nicht mit bloßem
      Auge erkennen konnte, dienen heute hochauflösende Radaranlagen, Peilsender an
      Storchenflügeln und der Windkanal im Seewesen am Starnberger See dazu, das
      Verhalten der Tiere besser zu verstehen.

      Wie regeln die Vögel ihren Energieverbrauch, welche Reize aus der Umwelt
      nutzen sie als Zeichen zum Aufbruch oder als Wegweiser? Forscher wie Peter
      Berthold hoffen so auch Ursachen für den veränderten Vogelzug ausmachen zu können.

      Wie Rotkehlchen oder Mönchsgrasmücken trotz Nacht und Nebel nicht vom
      richtigen Kurs abkommen, das war lange ein Rätsel. Doch nun kommen Biologen dem
      geheimen inneren Kompass der Vögel auf die Spur. Abenteuer Wissen zeigt, welche
      ausgeklügelten Experimente dazu nötig sind.

      Die Folgen
      Es geht um mehr als Fink und Star
      In Norddeutschland legen Bauern bereits "Lockflächen" an, um im Herbst und
      Frühjahr die Kraniche von ihrer Saat fernzuhalten. Imker fürchten, dass
      zugewanderte Bienenfresser ihre Schützlinge dezimieren.

      Die Veränderungen des Vogelzuges machen sich bereits bei Mensch und Natur
      bemerkbar. Doch was wird noch folgen? Forscher wie Prof. Herbert Weissenböck
      waren alarmiert, als in Österreich das West-Nil-Virus verheerend unter den
      einheimischen Amseln wütete - eingeschleppt aus Afrika. Eine Krankheit, die
      unter den normalen klimatischen Verhältnissen bei uns nicht hätte existieren
      können.

      Schnell wird in einem solchen Fall deutlich, wie wichtig die Funktion von
      Vögeln als Insektenvertilger und Teil eines komplexen Ökosystems ist, an dessen
      Ende der Mensch steht.