Der Bluthänfling
Linaria cannabina — Hänfling
🔍 Biologische Eckdaten
- Größe: ca. 13–14 cm
- Gewicht: 15–22 Gramm
- Gelegegröße: 4–6 Eier
- Brutdauer: 12–13 Tage
- Nestlingszeit: 12–14 Tage
- Jahresbruten: 2 (April bis Juli)
⚥ Geschlechtsunterscheidung
Bluthänflinge sind schlanke Vögel mit einem kurzen, grauen Kegelschnabel. Die Geschlechter lassen sich besonders zur Brutzeit hervorragend an der markanten Brustfärbung abgrenzen:
- Das prachtvolle Männchen: Besitzt im Brutkleid eine leuchtend scharlach- bis blutrote Brust und einen ebenso roten Stirnfleck. Der Rücken ist kastanienbraun gefärbt, die Kopfseiten sind aschgrau abgesetzt. Die weißen Ränder der Handschwingen bilden einen scharfen Kontrast im Flügel.
- Das getarnte Weibchen: Ihm fehlen jegliche roten Gefiederanteile komplett. Die Brust und die gesamte Unterseite sind rahmweiß oder hellbraun und weisen eine sehr dichte, dunkle Längsstreifung auf. Der Rücken ist schlichter mattbraun gefärbt.
❤️ Balz & Paarungsverhalten
Die Balz beginnt im April mit einem extrem melodischen, abwechslungsreichen Gesang des Männchens, der mit anmutigen Trillern und Flötentönen gespickt ist. Das Männchen trägt diesen oft von erhöhten Warten vor. Bei der Balz am Boden oder auf dem Ast nähert es sich dem Weibchen mit hängenden Flügeln, stelzt den Schwanz hoch und plustert die blutrote Brust stolz auf.
Ein harmonisierendes Paar zeigt ein intensives **„Füttern aus dem Kropf“** und geht gemeinsam im bodennahen, dichten Gestrüpp auf die Suche nach dem idealen Nistplatz. Hänflinge sind Freibrüter und schätzen eine gut strukturierte Umgebung.
🪺 Brutbiologie & Brutdauer
Bluthänflinge bauen ihr Nest bevorzugt niedrig über dem Boden in dichten Hecken, Dornensträuchern (z. B. Weißdorn oder Brombeere), jungen Nadelbäumen oder Wacholder. Das Nest ist ein stabiler, tief napfförmiger Bau aus trockenen Halmen, feinen Zweigen, Moos und Wurzeln. Die Innenauskleidung der Nestmulde erfolgt sehr sorgfältig mit weicher Pflanzenwolle, Tierhaaren und gelegentlich einigen Daunenfedern.
🐣 Aufzucht der Jungen
Nach dem Schlupf sind die Jungen blind und hilflos. Das Weibchen hudert die Nestlinge in den ersten Tagen fast ununterbrochen, während das Männchen unermüdlich die Nahrung heranschafft. Ab dem 5. oder 6. Lebenstag fliegen beide Altvögel gemeinsam aus, um Futter zu suchen.
Die Nestlingszeit beträgt ca. 12 bis 14 Tage. Beim Ausfliegen sind die Jungen noch flugunfähig und verharren als „Ästlinge“ gut getarnt im dichten Unterholz. Da Hänflinge oft eine Zweitbrut ansetzen, übernimmt häufig das Männchen die alleinige Führung und Fütterung der Jungen für weitere zwei Wochen, bis diese vollständig futterfest sind.
🏡 Haltung & Aufzuchtsfutter (Züchterwissen)
Bluthänflinge sind ausgesprochen gesellige und verträgliche Vögel, die außerhalb der Zuchtperiode problemlos im Schwarm gehalten werden können. In der Zucht empfiehlt sich jedoch die paarweise Haltung in gut bepflanzten Außenvolieren.
Die perfekte Zucht-Ernährung & der Rot-Erhalt:
- Grundfutter: Eine feine Cardueliden-Mischung mit viel Rübsen, Raps, Kanariensaat, Leinsamen, Perilla, Wegwarte und reichlich Unkrautsamen (z. B. Löwenzahn, Vogelmiere, Hirtentäschel).
- Aufzuchtsnahrung: Zur Fütterung der Nestlinge ist ein hochwertiges, leicht feuchtes Eifutter unerlässlich. Hänflinge füttern ihre Jungen in den ersten Tagen primär mit halbreifen Wildkräutersamen und kleinen Insekten. Züchter reichen daher in dieser Phase zusätzliche Proteine über gefrostete Pinkies oder Buffalowürmer.
- Die Kunst des Rot-Erhalts: Wie beim Karmingimpel verblasst das prachtvolle Blutrot der Männchenbrust in der Volierenhaltung nach der Mauser schnell zu einem unschönen Gelb-Braun. Während der Mauser im Spätsommer müssen Sie zwingend carotinoidreiche Nahrung füttern. Nutzen Sie frische Ebereschenbeeren, Sanddorn, geraspelte Möhren, frischen Löwenzahn und Wildkrautsamen in halbreifem Zustand sowie gegebenenfalls spezielle Mauserhilfen über das Eifutter.
🧬 Farbmutationen in der Hänflingszucht
Obwohl der Bluthänfling oft rein in der Wildfarbe gezüchtet wird, haben ambitionierte Züchter im Laufe der Jahre wunderschöne Farbmutationen etabliert, die auf großen Vogelschauen bewundert werden können:
Das gesamte schwarze Melanin wird in ein weiches, warmes Braun umgewandelt. Das Gefieder wirkt dadurch harmonischer und der Kontrast zum Brustrot bleibt reizvoll erhalten.
Reduziert das braune Pigment. Das Gefieder erscheint kühler, gräulicher und zeigt eine scharfe Zeichnung, während das Gelbweiß in den Flügeln intensiv hervorsticht.
Verdünnt alle dunklen Farbpigmente gleichmäßig. Das Kastanienbraun des Rückens wird zu einem zarten Beige abgemildert, was dem Vogel ein sehr feines, samtiges Äußeres verleiht.
🎥 Video-Einblick aus der Zuchtanlage
Erleben Sie den Bluthänfling in Bewegung – beim melodischen Trillergesang, Balzverhalten oder der Jungenaufzucht: