Der Karmingimpel
Carpodacus erythrinus — Karmingimpel
🔍 Biologische Eckdaten
- Größe: ca. 13,5–15 cm
- Gewicht: 19–27 Gramm
- Gelegegröße: 4–6 Eier
- Brutdauer: 11–13 Tage
- Nestlingszeit: 12–14 Tage
- Zugverhalten: Weitstreckenzugvogel (Asien-Überwinterer)
⚥ Geschlechtsunterscheidung
Der Karmingimpel zeigt einen der extremsten Geschlechtsdimorphismen unter den einheimischen Finken, allerdings mit einer biologischen Besonderheit, die Züchter unbedingt kennen müssen (Spätmauser):
- Das ausgefärbte Männchen (ab dem 3. Lebensjahr): Kopf, Kehle, Brust und Bürzel erstrahlen in einem prachtvollen, leuchtenden Karminrot. Der Bauch ist weißlich, der Rücken olivbraun mit dunklen Streifen. Ein wunderschöner, tropisch anmutender Kontrast.
- Das schlichte Weibchen: Ist völlig unauffällig oliv-erdbraun bis graubraun gefärbt, ähnlich einem Haussperling oder einem weiblichen Gimpel. Die Unterseite ist heller und zeigt eine feine Längsstreifung auf der Brust. Zwei blasse Flügelbinden sind erkennbar.
- Achtung (Züchter-Falle): Junge Männchen brüten im zweiten Lebensjahr oft noch im unauffälligen, „weibchenfarbigen“ Jugendgefieder. Sie singen und schreiten zur Brut, obwohl sie optisch wie ein Weibchen aussehen. Erst nach der Mauser im Spätsommer des zweiten Jahres bricht das Rot durch!
❤️ Balz & Paarungsverhalten
Da der Karmingimpel ein echter Spätkehrer ist und oft erst Mitte bis Ende Mai aus seinen asiatischen Winterquartieren zurückkehrt, läuft das Brutgeschäft extrem rasant ab. Die Balz beginnt sofort nach der Ankunft mit dem unverkennbaren, flötenden Gesang des Männchens, der phonetisch oft wie „Pleased to meet you“ klingt.
Bei der Astbalz sträubt das Männchen seine glänzenden, karminroten Kopffedern zu einer kleinen Haube, lässt die Flügel zittern, fächert den Schwanz auf und dreht sich stolz vor dem Weibchen. Begleitet wird dies von leisen, bettelnden Rufen, bis das Weibchen durch intensives Flügelvibrieren Paarungsbereitschaft signalisiert.
🪺 Brutbiologie & Brutdauer
Aufgrund der späten Rückkehr aus dem Winterquartier wird das Nest im Juni in Rekordzeit gebaut. Karmingimpel nisten bevorzugt sehr bodennah in dichten Büschen, Feldhecken, Wacholder oder jungen Nadelbäumen. Das Nest ist ein eher locker geflochtener Napf aus groben Grashalmen, Stängeln und etwas Moos. Die Innenauskleidung wird spartanisch, aber sorgfältig mit feinen Wurzeln und Tierhaaren ausgelegt.
🐣 Aufzucht der Jungen
Nach dem Schlupf wachsen die Jungen extrem schnell heran – eine evolutionäre Anpassung an den kurzen europäischen Sommer. In den ersten Tagen füttert das Männchen fast ausschließlich, während das Weibchen hudert. Ab dem 5. Tag fliegen beide Elternteile unermüdlich zur Nahrungssuche aus.
Die Nestlingszeit beträgt lediglich 12 bis 14 Tage. Beim Ausfliegen sind die Jungen noch recht schwanzlos und können kaum fliegen. Sie verstecken sich am Boden oder im dichten Unterholz. Da Karmingimpel strikte Einbrüter sind, widmen sich beide Elternteile danach noch etwa zwei Wochen lang voll und ganz der Führung der Jungen, bis diese futterfest sind.
🏡 Haltung & Aufzuchtsfutter (Züchterwissen)
Der Karmingimpel ist ein ruhiger, verträglicher Volierenvögel. Seine Haltung erfordert jedoch Fingerspitzengefühl, da sein innerer Zugvogel-Rhythmus im Herbst und Frühjahr Unruhe auslösen kann.
Die perfekte Zucht-Ernährung & der Rot-Erhalt:
- Grundfutter: Eine hochwertige Cardueliden-Mischung mit viel Kanariensaat, Perilla, Wegwarte, Knospen und Wildkrautsamen. Zur Brutstimmung im Juni ist halbreifer Löwenzahn und Vogelmiere unersetzlich.
- Aufzuchtsfutter: Nestlinge werden primär mit halbreifen Sämereien und frisch gesammelten Wildkräutern gefüttert. Reichen Sie zudem weiches Eifutter und tierische Proteine über aufgetaute Buffalowürmer oder frische Blattläuse.
- Der Züchter-Geheimtipp (Farberhalt): Das größte Problem in der Volierenhaltung ist, dass die Männchen nach der ersten Mauser in Gefangenschaft ihr Karminrot verlieren und gelb-orange werden. Karmingimpel können die roten Farbpigmente nicht selbst herstellen. Zur Mauser im Spätsommer müssen Sie daher zwingend natürliche Carotinoide zufüttern. Bewährt haben sich frische Beeren (Eberesche, Sanddorn), geraspelte Möhren, Rote Bete und im Schauwesen die kontrollierte Gabe von Beta-Carotin über das Trinkwasser oder Eifutter.
🎥 Video-Einblick aus der Zuchtanlage
Erleben Sie den Karmingimpel in Aktion – beim melodischen Flötengesang des Männchens oder der rasanten Jungenaufzucht im Frühsommer: