Wer kennt ihn nicht? Der Spatz (oder Haussperling) ist eigentlich der frechste und treueste Mitbewohner in unseren Städten und Dörfern. Er hüpft mutig unter den Tischen im Biergarten herum, schimpft lautstark im Gebüsch und sorgt überall für Leben. Doch wer in letzter Zeit mal genau hinschaut und hinhört, merkt: Es wird merklich ruhiger. Den Spatzen geht es dreckig – Experten sprechen sogar vom „Spatzensterben“.
Das Problem: Ein gewohnter Nachbar macht sich rar
Biologisch gesehen ist der Spatz zwar weltweit noch nicht vom Aussterben bedroht, aber die Zahlen in Europa sind erschreckend. Seit den 1990er Jahren sind die Bestände in vielen Großstädten wie Berlin oder London um die Hälfte oder sogar bis zu 80 Prozent eingebrochen. Wo früher ganze Schwärme durch die Hecken turnten, sieht man heute oft nur noch vereinzelte Vögel.
Warum geht es den Spatzen so schlecht?

Foto: Frank Derer
Es gibt nicht den einen Schuldigen. Es ist vielmehr eine Mischung aus Dingen, die wir Menschen in unserer Umwelt verändert haben:
- Die große Wohnungsnot: Spatzen sind „Gebäudebrüter“. Das heißt, sie bauen ihre Nester am liebsten in gemütlichen Nischen, unter lockeren Dachziegeln oder in kleinen Löchern in der Hauswand. Heute werden alte Häuser abgerissen und neue Gebäude komplett glatt und dicht saniert. Für die Spatzen bedeutet das: Zutritt verboten, keine Brutplätze mehr.
- Hungernde Babys: Erwachsene Spatzen fressen zwar gerne Körner und Brötchenkrümel, aber ihre frisch geschlüpften Küken brauchen in den ersten Wochen Insekten (wie Blattläuse und kleine Raupen), um groß und stark zu werden. Weil wir immer mehr Gift spritzen und sterile Schottergärten anlegen, gibt es kaum noch Insekten. Die traurige Folge: Viele Spatzenküken verhungern im Nest.
- Kein Versteck in Sicht: Spatzen lieben das Gesellige und verstecken sich tagsüber gerne gemeinsam in dichten, wilden Hecken oder Efeu. Weil in Parks und Gärten aber oft alles akkurat gestutzt und „aufgeräumt“ wird, fehlen ihnen die Rückzugsorte vor Feinden wie Katzen oder Sperbern.
- Krankheiten: An heißen Sommertagen stecken sich Spatzen zudem leicht an unsauberen Vogeltränken mit einem winzigen Parasiten an, der für sie tödlich ist.
Warum uns das nicht egal sein sollte
Der Spatz ist so etwas wie der Gesundheitsprüfer unserer Nachbarschaft. Wenn es ihm schlecht geht, zeigt das, dass mit unserer Natur direkt vor der Haustür etwas nicht stimmt. Außerdem sind Spatzen nützlich: Sie vertilgen tonnenweise Mücken und Schädlinge, die uns im Sommer nerven.
Was wir alle tun können: Erste Hilfe für den Spatz
Das Gute ist: Wir können den Spatzen ziemlich leicht helfen! Jeder kann im eigenen Garten oder auf dem Balkon mit anpacken:
- Spatzen-Reihenhäuser aufhängen: Da Spatzen absolute Rudeltiere sind und gerne Wand an Wand mit ihren Nachbarn wohnen, freuen sie sich über spezielle Nistkästen mit mehreren Kammern.
- Mut zur Wildnis: Lass ruhig mal eine Ecke im Garten wild wachsen. Heimische Büsche mit Dornen (wie Weißdorn oder Wildrosen) sind der perfekte Spatzen-Spielplatz und locken Insekten an.
- Die Tränke sauber halten: Wer eine Vogeltränke aufstellt, sollte das Wasser im Sommer jeden Tag wechseln und die Schale heiß ausspülen. Das schützt die Vögel vor Krankheiten.
- Ganzjährig füttern: Ein gutes Körnerfutter hilft den Spatzen nicht nur im Winter, sondern gibt den Eltern auch im stressigen Frühling Kraft.
Fazit
Der Spatz gehört zu unserem Alltag einfach dazu. Damit das so bleibt, müssen wir unseren Städten und Gärten wieder ein kleines bisschen mehr Wildnis und Gemütlichkeit zurückgeben. Denn ein Leben ohne das fröhliche Tschilpen der Spatzen wäre ziemlich grau.
